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Capitulare de Villis

Das Heilpflanzenbeet nach dem Capitulare de villis

Das Capitulare de villis vel curtis imperii Caroli Magni, die Landesgüterverordnung, hat der karolingische Kaiser Karl der Große ungefähr 812 n Chr. verfasst. Er sicherte auf diese Weise das Einkommen seiner im ganzen Reich verteilten Hofgüter. In der Verordnung wurde z. B. genau aufgeführt, wie viel Vieh gehalten werden sollte, was angebaut werden musste, welches Inventar in den Pfalzen und Hofgütern vorhanden zu sein hatte. Weil der Kaiser mit seinem Gefolge ständig in Frankenreich unterwegs war, um regieren und seine Macht festigen zu können, musste er in den Hofgütern aufgenommen und beköstigt werden.

Das Kapitel 70 der Kapitularien handelt in lateinischer Sprache von Heilpflanzen, Blumen, Nutzpflanzen und Bäumen. Allerdings muss man sagen, dass die Grenzen der Anwendung zwischen den Pflanzenarten fließend ist: Blumen und Nutzpflanzen wurden auch zu Heilzwecken angebaut. Dieser Heilpflanzengarten wurde 2005 auf ca. 60 qm von der Stiftung Botanischer Garten Solingen e.V. angelegt. Seit 2015 wird der frühmittelalterliche Garten neu gestaltet. Dabei wird auch die Fruchtfolge einiger Pflanzen berücksichtigt. Aus diesem Grund werden diese Pflanzen jedes Jahr einen anderen Standort haben. Andere Pflanze werden ihre festen Plätze behalten. Versuchen Sie doch einmal zu verfolgen, wie die Petersilie von Beet zu Beet wandert, um im 5. Jahr wieder auf ihrem Ausgangsbeet zu gedeihen. In den 24 Einzelbeeten werden ca. 55 Pflanzen wachsen, die im Kapitel 70 des Capitulare de villis aufgeführt sind.

Wir stellen einige der Pflanzen unserer Beete zur Betrachtung vor. Wenn Sie mehr zur Heilkraft und Geschichte dieser Pflanzen und das Frühmittelalter erfahren möchten, besuchen Sie doch einmal unsere Führungen im Capitulare de villis.

Auch Liebstöckel, Levisticum officinale L. , wurde schon im 9. Jahrhundert geschätzt.
Der Schlangenknöterich blüht im Frühsommer.
Die Artischocke, Cynara cardunculus L., erblüht.
Schwarzkümmel, Nigella sativa L., mit seinen filigranen Blüten.
Die blühende Weinraute, Ruta graveolens L. in Beet 19.
Pfefferminze hat viele gute Eigenschaften.

Fruchtfolge und Mischkultur

Ihnen, liebe Besucher, ist sicher schon aufgefallen, dass im frühmittelalterlichen Heilpflanzengarten eine gewisse Dynamik besteht, was den Standort der Pflanzen betrifft. In diesem Garten wachsen viele sogenannte ausdauernde Pflanzen, diese werden mehrere Jahre, manche sogar Jahrzehnte alt. Andere Pflanzen wiederum wachsen, blühen und fruchten innerhalb eines Jahres und müssen im nächsten Jahr neu ausgesät werden. Dann gibt es noch die sogenannten zweijährigen Pflanzen. Im ersten Jahr kommt ein wenig Blattmasse, im zweiten Jahr mehr Blattmasse, Blüte und Frucht. Die meisten dieser ein- und zweijährigen Pflanzen gehören Familien an, die sich mit ihrer eigenen, aber auch gewissen anderen Familien nicht gut vertragen. Das Resultat ist dann immer Kümmerwuchs. Aus diesem Grund wählen wir Pflanzen aus, die gute Nachbarn sind. Die Möhre und die Zwiebel unterstützen sich sehr gut, ein Beispiel für Mischkultur. Es gibt Pflanzen, die den Boden innerhalb eines Jahres auszehren oder Substanzen im Boden abgeben, dass die gleiche Pflanze dort nicht noch einmal keimt. Petersilie wächst ein Jahr, mit Blüte und Frucht maximal zwei Jahre am gleichen Ort, danach könnte dort die Gurke gedeihen. Das ist ein Beispiel für die Fruchtfolge. Die längsten Wartezeiten haben mit 7 bis 8 Jahren die Zwiebeln und Erbsen, erst dann dürfen sie wieder an ihrem Ausgangspunkt wachsen und der Kreis schließt sich.

Die Schlange.

Text: Carmen Dörner                                        

Foto: Thomas Woelfer ; Carmen Dörner